Museo dell’Altro e dell’Altrove di Metropoliz_Città meticcia (MAAM)

Ein ›Über-Ort‹ in Gefahr

Im Jahr 2018 hat die Fotothek der Bibliotheca Hertziana eine Fotokampagne am Museo dell’Altro e dell’Altrove di Metropoliz­­_Città Metticia (MAAM) in Rom durchgeführt.
Das MAAM entstand 2012 in der östlichen Peripherie Roms in einer ehemaligen Wurstfabrikanlage der Firma Fiorucci, die 2009 von der humanitären Hilfsorganisation Blocchi Precari Metropolitani besetzt wurde, um obdachlose italienischen Familien und Immigranten mit Wohnraum zu versorgen. Das Gelände wurde auf »Metropoliz_città meticcia« umbenannt, um so auf die unterschiedlichen Nationalitäten der Bewohner hinzuweisen und gleichzeitig die Vorstellung einer Zukunftsstadt zu vermitteln, die die Rechte ihrer Einwohner verteidigen und stärken kann. Die Bewohner dieser »città meticcia« sind von Anfang an von dem Anthropologen und Kurator Giorgio de Finis, der 2011 zusammen mit Fabrizio Boni die Dokumentation Space Metropoliz drehte, in das Museumsprojekt miteinbezogen worden.
Im MAAM fand das erste field seminar der Bibliotheca Hertziana statt – ein von der Abteilung II unter der Leitung von Tristan Weddigen eingeführtes neues Forschungsformat – in welchem die Wissenschaftler des Instituts zusammen mit dem Kurator und Künstler Carlo Gori vor Ort die politische und soziale Rolle von zeitgenössischer Kunst in nicht-institutionellen Kontexten diskutiert haben. Die Fotokampagne der Bibliotheca Hertziana, die im Kontext der Forschungsinitative foldskirt organisiert wurde, bietet so einen neuartigen Einblick in die zeitgenössische Kunst.

Obwohl sich das MAAM selbst als Museum definiert, lässt es sich keiner klaren Kategorie zuordnen, museale Praxis und Logik werden umgekehrt: Die Werke koexistieren mit den Wohnbedürfnissen der Bewohner und werden durch Schenkungen von Seiten etablierter und aufsteigender Künstler akquiriert. Der Fokus wird zur Peripherie der Hauptstadt gelenkt – das Kunstwerk tritt somit aus seiner Isolierung heraus, um sich in den Dienst einer Gemeinschaft zu stellen, die verlassene Fabrik nutzbar und bewohnbar zu machen und um das Recht auf Wohnraum zu verteidigen.
Das MAAM, das Marc Augé als »super-luogo«, »Über-Ort«, definiert, präsentiert sich als eine wandelbare Realität, dessen Sammlung kontinuierlich durch neue Schenkungen erweitert wird, die aber gleichzeitig, durch stets drohende Räumungsmaßnahmen, einen flüchtigen Charakter aufweist. Aufgrund der Eigentümlichkeit des musealen Charakters des MAAM konzentriert sich die Fotokampagne weniger auf einzelne Werke als auf die Umgebung und den Kontext, sowie auf seine Räumlichkeiten und die Vielfältigkeit der Funktionen und Bedeutungen, die diesem zukommen. Ziel ist es, die Dynamiken dieses transkulturellen Raumes zu dokumentieren, die institutionelle Grenzen herausfordert und die Koexistenz zwischen zeitgenössischer Kunst und sozialer Ausgrenzung der Peripherie, Wohnrecht und Illegalität, Besucher und Bewohner erprobt. Die Bibliotheca Hertziana möchte deshalb die Aufmerksamkeit der internationalen Forschungsgemeinschaft auf dieses bedrohte zeitgenössische Erbe lenken und durch das Medium der Fotografie zu seiner Erhaltung beitragen.

 

MAAM
Via Prenestina, 913, I – 00155 Roma RM
info@museomaam.it
209-968-1832

Bibliografie

  • Marc Augé, »Il MAAM è un superluogo«, in MAAM Museo dell’Altro e dell’Altrove di Metropoliz_città meticcia, Katalog hg. v. Giorgio de Finis, Bordeaux 2017.
  • Fabrizio Boni, Giorgio de Finis, Space Metropoliz. L’era delle migrazioni esoplanetarie, Bordeaux 2015.

Projekt und Texte: Carmen Belmonte
Fotograf: Enrico Fontolan
Übersetzungen: Charlotte Huber
Realisierung: Tatjana Bartsch

24.09.2018

(318) 281-1756

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